Die Geschichte der FeG Heidelberg
Als missionarisch offene Gemeinschaft wollte die Freie evangelische Gemeinde in und außerhalb ihrer regelmäßigen Veranstaltungen Wert auf ein attraktives, fröhliches Miteinander, auf lebendig frohe, geistlich geistige Dynamik, auf unkonventionelle Aufgeschlossenheit für Kreativität und Modernität legen. Gäste- und familienfreundlich sein, lautete die Devise, die in diesem Wortlaut im Gemeindeprofil manifestiert ist. Mit ihrer an der Bibel orientierten Gesamtausrichtung wusste sich die Gemeinde besonders säkularisierten (entkirchlichten) Menschen in Heidelberg und Umgebung verpflichtet. Vor allem noch nicht an Gott glaubende Menschen wollte sie so mit ihren vielfältigen Angeboten neue Wege zum Glauben eröffnen. Es wurden sofort Gottesdienste, Kindergottesdienste, Bibel-Gesprächsgruppen und Seminare zu Glaubensfragen angeboten. In regelmäßigen Abständen fanden immer wieder Offene Abende, missionarische Veranstaltungen und Konzerte im Kongresszentrum statt. Durch Zeitungsinserate, Plakatwerbung und regelmäßige Informationsstände auf dem Bismarckplatz versuchte man, Kontakte zu knüpfen und Menschen einzuladen.

Nachdem zum ersten Gottesdienst über vierzig Personen gekommen waren, konnte man im September 1989 bereits vorsichtig erahnen, dass die angemietete Büroetage in der Bergheimer Straße der jungen Gemeinde nicht lange ausreichend Platz bieten würde. Bereits nach wenigen Monaten wurde der Gottesdienst per Video in zwei andere Nebenräume übertragen und nach einem Jahr mietete die junge Gemeinde für ihre Gottesdienstfeiern einen großen Saal im Deutsch-Amerikanischen-Institut (DAI) am Adenauerplatz an. Im bisherigen Gemeindezentrum fanden weiterhin die Kindergottesdienste und Wochenveranstaltungen statt. Beim ersten Gottesdienst im DAI am 9. September 1990 musste jedoch festgestellt werden, dass auch dieser Saal nicht lange ausreichend Platz bieten würde. Alle 150 Sitzplätze waren schon beim ersten Gottesdienst besetzt. Jeden Sonntag traf man sich bereits um neun Uhr, um die Räume im DAI zu reinigen und gottesdienstlich herzurichten: fünfzehn Container mit Büchertisch, Gesangbüchern, Altarkerzen und -bibel, sowie die gesamte elektrische Anlage mussten ausgepackt, aufgebaut und nach der Veranstaltung wieder eingepackt werden. Trotz dieser Umstände verzichtete die Gemeinde auch zu dieser Zeit nie auf ihren obligatorischen Kirchenkaffee im Anschluss an den Gottesdienst.

Im Mai 1991 begann man mit einer Videoübertragung des Gottesdienstes ins Foyer und nach weiteren drei Monaten in einen zweiten Saal des DAIs. Überraschenderweise wurde der Gemeinde kurze Zeit später ein Mietobjekt in der Fabrikstraße 13 im Stadtteil Rohrbach angeboten. Die Gemeinde beschloss umgehend die Anmietung dieses noch im Rohbau befindlichen Gebäudes. Am 21. Dezember 1991 ging eine gesegnete Zeit im Gemeindezentrum Bergheimer Straße zu Ende. Mit 65 Mitgliedern nahm die Gemeinde Abschied. Leider verzögerte sich der Einzug ins neue Gemeindezentrum in der Fabrikstraße durch einen Baustopp um vier Monate. Sämtliches Mobiliar musste eingelagert werden. Alle Bibelgesprächskreise wurden sofort in Hauskreise verlegt und die sonntäglichen Kindergottesdienste fanden unter schwierigen Umständen im Treppenhaus und der Bibliothek des DAI statt. Am 8. Mai 1992 feierte man den letzten Gottesdienst im Deutsch-Amerikanischen-Institut.
Nach vielen Stunden Eigenleistung auf der Baustelle in der Fabrikstraße konnte am 17. Mai 1992 endlich das neue Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde Heidelberg bezogen werden, auch wenn vieles noch nicht ganz fertig gestellt war. Ein großer, einladend gestalteter Saal, einige Nebenräume und eine große Terrasse für den sonntäglichen Kirchenkaffee und diverse Gemeindefeste boten neue, gute missionarische Möglichkeiten. Die offizielle Einweihung fand am 27. September 1992 statt. Vertreter aus den Nachbargemeinden Heidelbergs, der Evangelischen Allianz und der Stadt Heidelberg überbrachten ihre Grüße und Segenswünsche. Ebenso waren viele Gäste aus den FeG-Partnergemeinden angereist.
Nach erneutem Platzmangel startete die Gemeinde am 3. Januar 1993 mit einen zusätzlichen Abendgottesdienst. Für die vielen Kindergottesdienstgruppen wurden stundenweise die Schulungsräume einer Firma in der Nachbarschaft angemietet.

Um allen Aufgaben der stetig wachsenden Gemeindearbeit nachkommen zu können, wurde am 11. Februar 1993 H.-D. Becker als weiterer Pastor der Gemeinde berufen. Pastor Becker übernahm schwerpunktmäßig den Aufbau und die Betreuung der Hauskreise.
Im Rahmen der Evangelischen Allianz in Heidelberg wurde vom 17. bis 21. März 1993 ProChrist93, die Satellitenübertragung einer Evangelisationsveranstaltung mit Billy Graham, aus Essen, durchgeführt. Der Saal im evangelischen Lutherhaus war allabendlich mit sechshundert Personen voll besetzt, so dass eine weitere Übertragung in einen Nebensaal erforderlich wurde. Viele Menschen fanden zum persönlichen Glauben an Jesus Christus. In allen Gemeinden wurden Nacharbeitsgruppen gebildet, um die jungen Christen zu begleiten und weiterzuführen. Es fand eine ausgezeichnete Zusammenarbeit der an dieser Veranstaltung beteiligten Gemeinden der Evangelischen Allianz in Heidelberg statt.

In der Mitgliederversammlung am 23. Juni 1993 entschloss sich die Freie evangelische Gemeinde einstimmig, das bestehende Baukonto zu forcieren um der erneut eingetretenen Raumnot in der Fabrikstraße entgegenzutreten. Ab September legte man regelmäßig Bauopfer zusammen. Nach langer intensiver Suche fand die Gemeinde im Februar 1994 im Industriegebiet Heidelbergs, im Stadtteil Rohrbach-Süd, eine leerstehende Fabrik. Mit den letzten Mieträumen in der Fabrikstraße verließ die Freikirche ihre dritte Bleibe und hat in der Haberstraße 19 aus freiwilligen Spendengeldern das ein paar Millionen teure Anwesen erstanden.
In einjähriger, überwiegend eigenhändiger Arbeit ihrer Mitglieder und Freunde hat sich die Freie evangelische Gemeinde Heidelberg ihr neues Domizil geschaffen. Unter fachmännischer Leitung von Architekt Karlheinz Lantelme aus Gießen ist aus dem ehemaligen Industriegebäude ein architektonisch ansprechendes Gemeindezentrum entstanden. Ein von der Mitgliederversammlung der Gemeinde eingesetzter zehnköpfiger Bauausschuss plante, organisierte und leitete die Umbauarbeiten vor Ort. Viele tausend freiwillige Arbeitsstunden von Frauen und Männern ließen das Haus zu einem Schmuckstück werden. Die jetzige Nutzfläche von insgesamt 1.500 m² unterteilt sich in einen großen Gottesdienst-Saal im Obergeschoss, sowie dem hellen offenen Foyer und vielen Gruppenräumen für Kinder, Jungschar und Jugend im Erdgeschoss. Ein modern konstituiertes Treppenhaus aus Glas verbindet in einem Halbrundbogen die beiden Stockwerke miteinander. Der Aufzug verschafft betagten Besuchern und Rollstuhlfahrern einen mühelosen Zugang zum Gemeindegeschehen. Bei der Planung der sanitären Einrichtungen ist an behindertengerechte Ausstattung gedacht worden. Im Rahmen einer Festveranstaltung wurde am 9. April 1995 das Gemeindezentrum vom Präses der Freien evangelischen Gemeinden Deutschlands, Pastor Peter Strauch aus Witten, seiner Bestimmung übergeben. Der damalige Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Professor Dr. Roman Herzog, hat anlässlich der Einweihung eine Altarbibel gestiftet.
Einige hundert Besucher finden nun auf gepolsterten Stühlen (ab 2003 502 Stühle!) Platz in den Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen. Die rechts vom Haupteingang befindliche Bücherecke bietet Lesewürmern die Möglichkeit, sich beim reichhaltigen Angebot zu verweilen. Besucher, die das erste Mal zu einer Veranstaltung kommen, können sich über das vielfältige Programmangebot der Freikirche in einer Gästeecke, am Infodesk oder an Bistrotischen bei Kaffee, Tee und Gebäck informieren. Mehr als 150 Kinder werden sonntags parallel zum Gottesdienst in jeder Altersstufe von 45 Kindergottesdienst-MitarbeiterInnen betreut. Nicht mitgezählt die Kleinkinderbetreuung im sogenannten Krabbelraum. Ebenfalls können Mütter und Väter von Säuglingen in einem eigens für sie mit einem Wickeltisch ausgestatteten Raum per Videoübertragung am Gottesdienst teilnehmen und nebenbei ihre Babys versorgen. Im Jugendraum, der mit Cocktail-Sesseln und einer Couch gemütlich eingerichtet wurde, fühlen sich die jungen Leute von Teen-Time und Jugend-Treff unter sich. Ebenfalls unter der Woche treffen sich die Jungscharkinder, Mutter-Kind-Gruppen, alleinerziehende Eltern, der Abend für junge Erwachsene. Außerdem finden dienstags in den 40 verschiedenen Hauskreisen in Heidelberg und Umgebung Gespräche über Glaubens- und Lebensfragen statt.
Viele Menschen haben bisher in der Freien evangelischen Gemeinde Heidelberg ihre Heimat gefunden. Im Oktober 1999 feierte die Gemeinde anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens ein großes Lob- und Dankfest.
Marie-Luise Weidemann